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Dr. Iris Wangermann

Wie Sie Titel in Österreich richtig verwenden

Eine Anleitung für Expatriats, Führungskräfte und internationale Teamleader*innen die erfolgreiche Geschägftsbeziehungen in Österreich haben wollen.

Jede*r Deutsche kann lernen österreichische Titel im Geschäftsleben richtig einzusetzen! Besonders wichtig ist das für Expatriates und Führungskräfte, die Fettnäpfchen vermeiden und effektive Geschäftsbeziehungen haben wollen. Im Laufe dieses Artikels werden Sie eine Vielzahl österreichischer Titel kennenlernen und Tipps zur korrekten Anwendung erhalten. Am Ende können Sie sich eine praktische Checkliste anfordern.

Soziale Anerkennung beim Bäcker

Während meiner fünf Jahre in Graz, wurde ich jeden Samstag Zeugin eines ganz besonderen Schauspiels: Der Laden war bis zum Anschlag voll. Die Bäckerin geschäftig. Brote wurde eingepackt. Die Kund*innen warteten geduldig in einer Schlange, die bis zur Türe hinausreichte. Eine elegant gekleidete Dame betritt den Laden. Die Bäckersfrau ruft sehr laut: “Ich grüße Sie, Frau Medizinalrat!“ Die Dame:“ Ja, Grüß Gott.“ Alle drehen sich um. Mein Freund flüstert: “Das ist die Frau vom Medizinalrat.“ Die Frau Medizinalrat hatte also einen großartigen Auftritt. Die Bäckersfrau auch. Das war 1997.

Heute gehört es sich in Österreich eigentlich nicht mehr, die Ehepartner*innen mit den entsprechenden Titeln anzureden. Das sagt jedenfalls der oberste, österreichische Benimm Experte (nein, das ist kein offizieller Titel) Thomas Schäfer-Elmayer. 

Sind denn hier alle Professor*innen?

An einem schönen Sommertag ging ich mit meinem Onkel, der Lehrer an einer Oberschule ist, in die Stadt. Ein paar Schüler*innen kamen uns entgegen. „Guten Morgen Herr Professor“, riefen sie uns zu. Ich wunderte mich: „Ich dachte, Du bist Lehrer, Onkel?“ Er lachte und sagte: „In Österreich müssen (AHS) Lehrer*innen mit Herr oder Frau Professor angeredet werden.“ Das ist übrigens im Lehrerdienstrecht gesetzlich verankert.

Warum Titel in Österreich nach wie vor wichtig sind – Statistiken

Marketagent.co hat im Jahr 2016 fünfhundert Österreicher*innen befragt. Die Themen waren: Braucht beruflicher Erfolg Titel? Und: wie ist das Ansehen von Titelträger*innen heute? Das Ergebnis:

  • 56,2 % finden Titel im Berufsleben wichtig
  • 61,8 % finden Titelträger beruflich erfolgreicher
  • 64 % halten Titelträger für machthungriger
  • 70 % verwenden Titel im Geschäftsleben
  • 58,6 % verwenden Titel beim Ausfüllen von Formularen
  • 53 % sagen, der Titel hätte ihnen bereits einmal einen Vorteil verschafft

Zwei große Fehler und Fettnäpfchen für Deutsche

Lassen Sie auf keinen Fall Titel weg! Wenn Sie Deutsche*r sind, wird sich das vermutlich erst mal komisch anfühlen. Titel wegzulassen schadet Ihren beruflichen Beziehungen. In Österreich lernt man übrigens von klein auf, Titel richtig anzuwenden. Nicht um zu buckeln, sondern weil es sich eben so gehört. Außerdem kann so ein Titel auch schon mal die Motivation von Mitarbeitenden und die Identifikation mit der Firma fördern. Da Titel eben solch einen besonderen Wert in Österreich haben. Und motivierte Mitarbeitende bringen ja bekanntlich bessere Leistungen.

Fehler #1: Ihren Titel nicht verwenden – case study

Dr. Peter K. übernimmt als Führungskraft eine Stelle in einem österreichischen Unternehmen in Wien. Bei seiner Ankunft bemerkt er, dass der Stuhl in seinem Büro wackelt. Eine Feststellschraube ist kaputt. Da seine Sekretärin noch im Urlaub ist, ruft er an entsprechender Stelle an und bestellt ein Ersatzteil. Um 14:00 Uhr würde sie jemand vorbeibringen, heißt es. Zum vereinbarten Termin ist aber niemand da. Er ruft an. Aber niemand fühlt sich verantwortlich. Um 15:00 Uhr kommt dann mit der Hauspost ein Päckchen mit einer Schraube. Die ist aber leider falsch. Peter K. ruft wieder an. Ihm wird versprochen, dass er umgehend das richtige Ersatzteil bekommt. Wieder passiert nichts. Ärgerlich! Am nächsten Morgen ist seine Sekretärin wieder da. Sie ruft den Hausmeister umgehend an und sagt: “Das Ersatzteil für Dr. Peter K. ist noch nicht da.“ Dieses solle doch bitte jemand umgehend vorbeibringen. Eine halbe Stunde später bringt der oberste Hausmeister das Ersatzteil persönlich vorbei und schraubt es am Stuhl fest.

Was ist hier passiert?

Ganz einfach: das Zauberwort der Sekretärin war „Dr“. Mit der Nennung des Titels wurde Peter K.´s  Fall auf einmal ungemein wichtig.

Was heißt das für Sie?

Nennen Sie immer ihren Titel. Das macht das Leben in Österreich enorm viel einfacher.

Fehler # 2: Titel der Österreicher*innen nicht verwenden – case study

Der deutsche Konrad M. arbeitet seit über einem Jahr, als Führungskraft in einem österreichischen Unternehmen in Wien.

Auf einer Networking Veranstaltung stellt sein Vorgesetzter, Dr. Wilfried M. ihm Dr. Helfried Lackner vor. Er ist ein wichtiger Kooperationspartner und möglicher Kunde für ein neues Projekt. Der Abend verläuft gut. Konrad M. erzählt aus Deutschland. Die Stimmung ist gelöst. Bis es darum geht, sich zu verabschieden. Peter K. sagt: „Herr Lackner. Es hat mich wirklich gefreut, Sie kennenzulernen.“ Er bemerkt verwundert, dass sein Vorgesetzter entsetzt die Augenbrauen hochzieht.

Was ist hier passiert?

Peter K. hat Herrn Lackner bei der Verabschiedung ohne Titel angesprochen. Auch  wenn das in Deutschland in der Regel so üblich ist, erleben die meisten Österreicher*innen das in der Regel als respektlos. Ganz besonders, von einer*m Deutscher*n. Warum ganz besonders hier? Weil wir auf eine Art „Verfreundete Nachbar*innen“ sind. Das hat etwas mit unserer gemeinsamen Geschichte zu tun. Dazu aber mehr in einem anderen Blog-Beitrag.

Was heißt das für Sie?

Ganz einfach: Nennen Sie den Titel im Zweifel immer! Und auch lieber einmal mehr als einmal zu wenig. Bis man sie explizit dazu auffordert dies sein zu lassen.

Wie Sie sich im österreichischen Titel-Dschungel zurechtfinden

In Österreich gibt es fast 900 Titel und Auszeichnungen. Diese werden auch alle geführt. Man unterscheidet:

  • Akademische Titel
    • mit Fleiß und Wissen erworben
    • Beispiel: Magistra, Magister. Dr.
  • Amtstitel
    • Beamte
    • An Alter und /oder Laufbahn gebunden
    • Beispiel: Staatsanwältin/Staatsanwalt. Militärkaplan, Militärbischof. Universitätsprofessorin/Universitätsprofessor.
  • Berufstitel
    • Auszeichnungen für besondere Leistungen. Ab 50 Jahre.
    • Verliehen vom Bundespräsidenten. Für Personen, die sich in langjähriger Ausübung ihres Berufes Verdienste um die Republik Österreich erworben haben.
    • Beispiel: Kommerzialrätin/Kommerzialrat. Ökonomierätin/Ökonomierat. Hofrätin/Hofrat. Universitätsprofessorin/Universitätsprofessor.
  • Ehrenbezeichnungen
    • Unterschiedlich in den einzelnen Bundesländern

Wie Sie Titel in Österreich richtig verwenden – beim E-Mailing

Seit der Bologna Reform an Hochschulen gibt es neben den Diplomen auch Bachelor und Master-Grade.

  • Neue Grade: den akademischen Grad nach dem Namen schreiben:
    • Hermann Mayer, BA
    • Sabine Müllerhofer, MA
    • Greta Fulter, PhD
  • Alte Grade: die alten Diplom, Magister und Doktorgrade werden vor den Namengesetzt:
    • DI Sandra Krainer
    • -Ing. Sandra Krainer
    • Heinz Pfleider
    • Sabiene Strasser
  • Liste der gängigsten Abkürzungen:
Weiblich Männlich
Abkürzung Ausgeschrieben Abkürzung Ausgeschrieben
Magistra Mag. a Magister Mag
Doktorin Dr. in Doktor Dr.
Diplomingenieurin DI in Diplomingenieur DI
Professorin Prof´in Professor Prof.

 

Wie Sie Titel im österreichischen Anschreiben richtig gendern

Als Deutsche*r in Österreich beim E-Mailing nicht richtig zu gendern, bedeutet Fettnäpfchen-Alarm. Als Frau können Sie übrigens selber entscheiden, ob Sie Ihren Titel gendern wollen, oder nicht. Wenn Sie gendern, achten Sie bitte auf den Punkt hinter dem Mag.a. Und weil natürlich auch nicht alle Österreicher*innen gleich sind: erkundigen Sie sich wie das in Ihrer Firmenkultur gemacht wird.

Weiblich Männlich
Abkürzung Ausgeschrieben Abkürzung Ausgeschrieben
Mag. a Magistra Mag. Magister
Dr. in Doktorin Dr. Doktor
DI in Diplomingenieurin DI

Diplomingenieur

Prof.in Professorin Prof. Professor

 

By the way: Englische Titel gendern Sie bitte nicht (also M.A. für Master).

Warum Ihr Titel auf Ihrem Türschild stehen sollte – Wohnen

Ihr gesamter Titel gehört auf das Namensschild. Ja, auch wenn Sie aus deutscher Sicht „lediglich“ eine Magistra sind. Ihre Beziehung wird sich positiv verändern. Sie sollten zusätzlich immer einen guten Kontakt zu ihren Nachbar*innen aufbauen und pflegen. Das ist gut für das so wichtige Netzwerkmanagement in Österreich. Dazu mehr in einem anderen Blogbeitrag.

Wenn Sie sich als ProfessorIn ansprechen lassen wollen

Einfach im Caféhaus den Kellner um die Zeitungen „Standard“ und „Presse“ gleichzeitig bitten. Oder Sie lassen sich vom Bundespräsidenten adeln. Solche Titel gibt es zu Hunderten in Österreich. Etwa Prof. Udo Jürgens.

Und jetzt zu Ihnen – bitte kommentieren

Es interessiert mich brennend, was Ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit Titeln in Österreich sind. Wo drückt der Schuh? Welche Fragen haben Sie?

6 Gedanken zu „Wie Sie Titel in Österreich richtig verwenden“

  1. Guten Frau Dr. Wangermann,

    danke für die erhellenden Erklärungen.

    Als Deutscher ist es selbstverständlich für mich die Titel Dr. und Prof. im Anschreiben zu verwenden. Ebenfalls in der persönlichen Ansprache. In Österreich verstehe ich, dass die Titel im Anschreiben eine besondere Bedeutung haben. Aber begrüsse ich dann auch den Magister und Kommerzialrat tatsächlich so? „Guten Tag Herr Magister Petzer.“ oder „Guten Tag Herr Kommerzialrat Fiedler.“ Und vor allem: erwarte ich, dass ich dann so zurück gegrüsst werde: „Herr Dipl. Betriebswirt Merz“?

    Über eine Rückmeldung bin ich sehr dankbar.

    Viele Grüsse

    Andreas Merz
    Dipl. Betriebswirt (BA)

    Antworten
    • Guten Tag Andreas Merz,

      vielen Dank für Ihre guten Wünsche zu meinem Blogpost. Ich freue mich, das er erhellend für Sie gewesen ist.
      Ich würde Ihnen tatsächlich raten – vor allem wenn Sie aus Deutschland kommen – und noch keinen engen Kontakt mit den Menschen vor Ort haben, die Titel genauso zu verwenden. Auch wenn sie dann zu hören bekommen könnten: „Sie können den Titel gerne weglassen.“

      Mit den besten Grüßen,
      Iris Wangermann (gerne ohne den Titel 😉 … ich bin ja auch halbe Deutsche).

      Antworten
  2. Liebe Frau Wangermann,

    kann es sein, dass wir vor vielen Jahren schon einmal Mail-Kontakt hätten? Ich war da neu in Österreich, mittlerweile wohne und arbeite ich jetzt 10 Jahre teils in Graz, teils in Freiburg (im universitären Bereich).

    Nach wie vor halte ich die Affinität zu Titeln / akademischen Graden in Österreich für rätselhaft und ein echtes Kommunikationshindernis. Ich passe mich so weit wie möglich an, um nicht als unhöflich zu gelten, aber in meinen Ohren klingen „Herr Magister“, „Frau Diplom-Ingenieur“, „Herr Lehrer“, insbesondere in der mündlichen Kommunikation immer noch altmodisch bis post-feudalistisch.

    Ich habe bereits in Deutschland meinen „Dr.“ privat nicht geführt (also nie in Formulare eingetragen, nie ans Klingelschild geschrieben), und das habe ich auch in Österreich so beibehalten. Schlechte Erfahrungen habe ich hierbei nicht gemacht.

    Durch die Plagiatsaffären, ebenso wie aufgrund der kompletten Unübersichtlichkeit und Inkonsistenz bei der Titulierung halte ich es mittlerweile für eine Art politisches Statement, auf das Führen (also öffentliches Sichtbarmachen) von Titeln und Graden radikal zu verzichten, so wie es z.B. in den skandinavischen Ländern seit langem üblich ist. (So habe ich konsequenterweise auch meinen Titel von der eCard entfernen lassen.)

    Ich halte es einer modernen Demokratie nicht angemessen, dass man sich in der Öffentlichkeit mit seinem Bildungsabschluss und/oder Berufstitel zwangsouten muss. Ich muss nicht wissen, ob meine Nachbarn, Kunden, PatientInnen etc. UniversitätsprofessorInnen oder BusfahrerInnen sind, genauso wenig wie es mich angeht, ob sie ledig, verheiratet oder geschieden sind.

    Die Wissenschaft kann nur davon profitieren, wenn sie von Leuten verschont bleibt, die nur aus Prestigegründen einen akademischen Grad erwerben.

    Gibt es viele andere Leute die so denken?

    LG Stefan Schulz

    Antworten
    • Lieber Stefan Schulz,

      dann sende ich die allerbesten Grüße in meine zweite Heimat und die Stadt Graz in der ich 5 Jahre gelebt habe.

      Das was Sie beschreiben ist sehr typisch. Das es sich etwas konisch anfühlt. Auch ich habe meinen Dr. Titel nicht am Klingelschild.

      Ich kann Sie sehr gut hören, mit ihrem Statement. In der Interkulturellen Begegnung geht es aber ja nicht unbedingt nur darum, wie es ihnen damit geht. Sondern auch damit, wie es dem/der Gegenüber geht.

      Sie fragen mich, ob es viele andere Leute gibt, die so denken wie Sie. Ich kenne dazu keine statistische Untersuchung. Ich höre das aber meist von Menschen aus Deutschland, die mit einem anderen mind-set aufgewachsen sind.

      Vielleicht hilft es, wenn Sie sich mit dem „Warum das so gemacht wird“ auseinandersetzen, was der österreichische mind-set dazu sagt. Dann müssen Sie es trotzdem nicht mögen, können es aber besser verstehen.

      Mit den allerbesten Grüßen Iris Wangermann

      Antworten
  3. Guten Tag Frau Dr. Wangermann, bei der Pflege unserer Kundendaten gebe ich die entsprechenden Titel mit an und diese werden auch in den Anschreiben mit verwendet. Jedoch bin ich nun über ein Kürzel gestolpert, welches ich nicht ganz zuordnen kann : „Mag. posl. ved.“ Den Magister kennt man ja – aber der Rest, es würde mich freuen wenn Sie mir die Erklärung geben könnten

    Antworten
    • Liebe Christiane Fischer,

      dieser seltsame Titel ist mir auch schon öters untergekommen 😂. Und ich konnte bisher noch nicht herausfinden, was es damit auf sich hat. Großartig, dass sie die Titel in Ihrer Kundendatenbank pflegen. Das würde ich auch weiterhin so tun. Und … warum nicht einfach mal die Person mit dem Titel interessiert fragen, was er bedeutet?

      Mit den besten Grüßen, Iris Wangermann

      Antworten

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