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Dr. Iris Wangermann

Meine 3 wichtigsten Werte: Beharrlichkeit, Friedfertigkeit & Schönheit

Während ich diese Zeilen schreibe, befinde ich mich in einer kleinen Auszeit, in einem zauberhaften Bio-Hotel in Österreich. Hier ist eine Familie in der vierten Generation dabei, die Welt zu einem schöneren Ort zu machen: modern und nachhaltig. Dabei hat man Ihnen zu Beginn immer mal wieder „den Vogel gezeigt“. Heute ist das ihr Markenzeichen und sie sind damit sehr erfolgreich.

Eingebettet in der Kärntner Bergwelt genieße ich unglaublich leckeres Essen, zauberhafte Wanderungen, einen modernen Spabereich und inspirierenden Gesprächen. Zeit loszulassen, aber auch um mir wieder einmal Gedanken über meine wichtigsten Werte zu machen.

Klar liebe ich die große Freiheit, die ich jetzt schon seit 20 Jahren als Selbstständige genieße. Sicher spielen dabei der Wunsch nach einer täglichen Arbeit, die mich begeistert und mir und anderen Freude bringt, eine wichtige Rolle.

Natürlich will ich mit meiner Arbeit auch etwas Sinnvolles machen, von dem nicht nur ich, sondern auch die nachkommenden Generationen noch etwas haben werden. Selbstverständlich möchte ich die Zukunft mitgestalten.

Aber was sich wie ein roter Faden durch meine Arbeit zieht, sind vor allem „Beharrlichkeit“, „Friedfertigkeit“ und „Schönheit“.

Das findest Du in diesem Blogartikel

Mein Wert Nr. 1: Beharrlichkeit

Mit Herbert aus der Inline-Skater Gang, ca. 2000. Er fuhr beim Unfall hinter mir und hat den Krankenwagen organisiert. Das Foto zeigt uns im "Flan O`Brian" nach unserem - mittlerweile legendären, aktuell mit Polizeschutz begleiteten, weil so groß gewordenen Mittwochsskate durch Graz. Da haben wir uns immer ein Getränk gegönnt.

Wir haben so wenig Zeit, wir müssen sehr langsam vorgehen (buddhistische Weisheit).“

Etwas nervös und wackelig auf den Beinen stehe ich im Sommer 2000 – mit zahlreichen anderen Inline-Skater*innen an der Startlinie. Es ist ein wunderschöner, sehr heißer Sommertag und der Faakersee (in Österreich) glitzerte zauberhaft türkisblau. Das Licht scheint durch die Bäume und die Vögel singen ihre Lieder. Adrenalin liegt in der Luft. Gleich geht es los und alle wollen ganz vorn stehen. Nur ich nicht. Denn mein Unfall ist erst 3 Wochen her und ich habe nur ein Ziel: die Angst überwinden und einfach ankommen. 

Mit Herbert und Andreas hatten wir für den Marathon geübt. Mit 50 km/h auf einem Fahrradweg an einer Landstraße entlang. Ich an zweiter Stelle. Andreas konnte dem Ast nicht mehr ausweichen, der quer über dem Weg lag. Er stürzte, legte sich quer auf den Boden und ich stürzte über ihn. Landete auf meinen Knien und dem Kinn. Trotz Knie- und Handschoner hieß das: Zwei Tage Krankenhaus, zwei tote Zähne, Gehirnerschütterung, Ellenbogen lädiert, bevor ich mich dann selbst entlassen habe (aber das ist eine andere Geschichte). 

Dann der Startschuss! Die Gruppe sprintet hektisch los. Ich lasse mich davon – so gut es geht – nicht aus Ruhe bringen. Versuche einfach in meinem Tempo zu fahren, zu atmen und die Strecke zu genießen. Ich will ja einfach nur ankommen. 

Am Ende mache ich – völlig unerwartet – den dritten Platz. Etliche haben zwischendurch erschöpft aufgegeben. Ich habe nichts davon mitbekommen. Bin einfach in meinem Tempo immer weiter gefahren.

Was für ein teaching!  

Welches mich bis heute in meiner Arbeit begleitet. Ich bin eher Typ Marathon, statt Sprint. Ich mag es, langsam und gründlich zu arbeiten und schätze langfristige Kooperationen. Mit vielen meiner Kooperationspartner*innen arbeite ich schon seit über 15 Jahren zusammen. 

Denn gerade bei Themen – die Veränderungen auf tiefer, gesellschaftlicher Ebenen anstoßen wollen – braucht es einen langen Atem. Der sichere Gegenwind sorgt dabei für gute Muskeln und stärkt die Resilienz.

Mein Wert Nr. 2: Friedfertigkeit

Im Seelengrund ruht aller Streit (Franz von Saales).“

Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wann das angefangen hat, mit meinem Interesse am Thema Frieden. Vielleicht als ich 1991-1992 mit dem AFS für ein Schuljahr in den USA gewesen bin. Nur ein paar Jahre vorher ist die Mauer gefallen und man sagte uns: „Ihr seid Botschafter*innen für Eure Kultur.“

Ich hatte das damals nicht ganz verstanden. Es fühlte sich aber ziemlich mächtig auf meinen 16-jährigen Schultern an.

In den USA erlebte ich tolle Gastfreundschaft, knüpfte Freundschaften fürs Leben, erlebte aber auch die eine oder andere ungute Situation. Etwas als mich ein älterer Lehrer, als Deutsche „in die rechte Ecke stellte“, weil ich in einem Aufsatz über Sterbehilfe argumentierte, dass Menschen meiner Meinung nach – bei schwerer, unheilbarer Krankheit – selbst entscheiden sollten, wann es Zeit für sie ist zu gehen. Nur unklar verstehend, aber sehr deutlich fühlen konnte ich, dass sich eine traumatische, persönliche Geschichte hinter seinen aufgewühlten Worten verbarg.

Vielleicht hat meine Suche nach Frieden aber auch schon vorher angefangen: Als die Deutsch- und Geschichte-Lehrer*innen in der Schule uns immer wieder Bilder vom Holocaust zeigten. Mit einer großen Sprachlosigkeit, die mich verstört zurückließ. 

Oder es lag an den nicht enden wollenden, zerstörerischen Auswirkungen von Kriegstraumatisierungen innerhalb der eigenen Familie.

Es war kein Zufall, dass ich Psychologie studieren wollte.

Zu Beginn des Studiums in Graz lernte ich eine Gruppe älterer Therapeut*innen kenne, die sich regelmäßig zu Systemischen Familienaufstellungen trafen. Ich war sofort fasziniert, wie zwischenmenschlichen Dynamiken – die für mich immer schon so fühlbar waren – im Raum sichtbar wurden.

Bei jeder sich bietenden Gelegenheit war ich als Stellvertreterin dabei und beobachtete, wie sich ungesunde Verstrickungen lösten und Frieden in die Familie kam, weil jede*r sich an „den richtigen Platz“ stellte. Dabei wurde deutlich, dass eine der häufigsten Ursachen für Dysbalancen innerhalb der Familie nicht aufgearbeiteten Kriegstraumatisierungen sind.

Mir dämmerte irgendwann, dass ich den größten Hebel für Frieden dann habe, wenn ich „mein Inneres“ möglichst „in Frieden bringe“. Gar nicht so einfach. Sicherlich konfrontativ. Vor allem fürs Ego, das ja so gerne mit dem Finger auf die anderen zeigt, recht haben und kämpfen will.

Doch für den Frieden in den Krieg zu ziehen, ist keine sehr intelligente Lösung. Vor allem, wenn man sich über die transgenerationalen Auswirkungen von Traumata auf die nachkommenden Generationen bewusst geworden ist.

Was Friedfertigkeit für meine Arbeit bedeutet, habe ich in diesem Blogartikel beschrieben: „Warum Schuld, Scham und Schande bei Diversity Themen nichts bringen und ich für mehr Bewusstsein bin.“

Mein Wert Nr. 3: Schönheit

In love with Waldsee Schönheit in Kärnten.
Frisch aus der Bergquelle.

Vor ein paar Tagen lief ich durch den Kölner Stadtwald. Sonnenstrahlen streifen meine Arme, kurz vorher hatte es noch geregnet. Ein Bussard fliegt über meinem Kopf, eine Rabenfamilie hüpft auf der Wiese und spielt mit einem vergessenen Kinderball. Regentropfen glitzerten auf den Blättern in der Sonne, es riecht nach Erde und ein paar Jogger*innen drehen ihre Runden. Die Nachbarin radelt an mir vorbei, ruft: „Hallo, Iris! Einen schönen Tag Dir“ und fährt weiter.

Ein tiefes Glücksgefühl durchflutete mich. So zauberhaft schön, unsere Mutter Erde! Auch hier, mitten in der Großstadt.

Das empfand ich nicht immer so. Lange Zeit wollte ich „einfach nur weg“. Nicht mitmachen in diesem System, dass Mensch und Natur ausbeutet, oft herzlos „nach unten tritt“.

Heute will ich nicht mehr weg, sehnte mich nicht nach „der guten alten Zeit“, sondern bin neugierig auf die Zukunft. Möchte mitgestalten, bin eingestiegen, statt auszusteigen.

Es ist kein Zufall, dass ich seit 20 Jahren Brücken zwischen Menschen (verschiedener Kulturen) baue und mich für Inklusion von Vielfalt einsetze.

Es ist auch kein Zufall, dass ich viele richtig gute Antworten – auf meine brennenden Fragen – von den indigenen Menschen jener Kulturen bekommen habe, die das alte Wissen über Natur und Kosmos in die neue Zeit gebracht haben.  

Sie haben mich an die Schönheit des Lebens erinnert und daran, dass wirklich alles miteinander verbunden ist. Dass selbst unsere kleinen, persönlichen Entscheidungen unerwartet transformative Kraft in sich tragen. Für uns selbst, die Familie und unsere (globale) Community.

Schönheit heißt für mich, Gedanken und Gefühle möglichst zu harmonisieren, mich innerlich auszurichten, zu versuchen im Kontakt mit meinen Mitmenschen möglichst das Beste zu tun. Mutter Natur – von der wir alles bekommen, was wir zum Leben brauchen – und die kosmischen Kräfte bewusst wahrzunehmen, zu achten und ehren.

Schönheit heißt für mich letztlich auch, das Leben zu feiern. Jede kostbare Sekunde auf unserem schönen Mutterplaneten Erde auszukosten. Mit allem, was die Seele nährt, wie zum Beispiel gutem Essen und inspirierenden Gesprächen mit Menschen, die mich nehmen, wie ich bin. Und weil ich Stier bin … bedeutet Schönheit für mich auch, meine physische Umgebung möglichst harmonisch und schön zu gestalten. Weil das Auge ja mit genießt.

Am Ende meines Lebens will ich sagen können, dass ich die Welt ein kleines Stück schöner hinterlassen und die Schönheit des Lebens voll ausgekostet habe.

Wer schreibt hier eigentlich?

Hallo, ich bin Iris! Ich bin Interkulturelle Diplom-Psychologin, interaktive Workshop-Facilitatorin, Forscherinnen-Seele, Bloggerin & Speakerin aus Köln. Ich bin Expertin für Inclusive Leadership, Intercultural Teambuilding und liebe Schokolade.

2 Gedanken zu „Meine 3 wichtigsten Werte: Beharrlichkeit, Friedfertigkeit & Schönheit“

  1. Liebe Iris,
    mit welch besonderen persönlichen Geschichten du deine Werte erklärst und damit direkt fühlbar machst, danke!
    Jede/r von uns sollte sich von Zeit zu Zeit damit auseinandersetzen, warum wir auf die eine und andere Weise so handeln, wie wir das tun.
    Danke für deinen Einblick in deine Entwicklung:-)

    PS: Der Faaker See ist wirklich schön, machte dort vor Jahren einen Kurzurlaub und in Köln bin ich mindestens einmal im Monat, etwas Stadtluft schnuppern und neue Impulse aufschnappen:-)

    Herzlichst,
    Gabi

    Antworten
    • Liebe Gabi,

      vielen Dank. Ich freue mich, dass Dir mein Blogartikel gefällt. Ist ja toll, dass Du den Faaker See kennst. Es gibt so viele zauberhafte Ecken in Kärnten. Und ja … die Stadtluft hat auch etwas für die neuen Inspirationen – da bin ich ganz bei Dir.

      Herzlicher Gruße, Iris

      Antworten

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