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Dr. Iris Wangermann

Was ist Mitgefühlserschöpfung und warum sind Frauen um die 50 betroffen?

Einleitung

Kennst Du das: nach dem Kontakt mit bestimmten Menschen fühlst Du Dich ausgelaugt, schwer und traurig? Dann kann es sein, dass Du von Mitgefühlserschöpfung betroffen bist. Das gilt besonders für Menschen, die viel mit traumatisierten Menschen zu tun haben: in helfenden Berufen, oder die Nachkommen der Kriegskinder.

Das findest Du in diesem Blogartikel

Mitgefühlserschöpfung: Wenn Du Dich zu sehr in andere Menschen einfühlst

Als Katharina zu mir in die Begleitung kommt, fühlte sie sich ausgelaugt und schwer. Als Ärztin mit einem Schwerpunkt in alternativen Heilmethoden hat sie täglichen Kontakt auch mit traumatisierten Menschen.

Das Problem: Sie nimmt ihre Patient*innen gedanklich oft mit nach Hause. Es fällt ihre schwer, ihr Privatleben von dem als Helferin zu trennen. Ihre Nerven sind strapaziert. Viele der Geschichten, die sie hört, deprimieren sie und sie fühlt sich aufgrund ihrer Arbeit oft erschöpft.

Katharina hat eine Mitgefühlserschöpfung. Als wir in ihrer Familiengeschichte forschen, wird eines schnell klar: Das kennt sie schon aus ihrer Kindheit. Ihre Mutter musste als Kind aus Schlesien flüchten. Sie erlebte Hunger, Kälte und wie ein Onkel auf der Flucht erfror.

Die Fluchtgeschichten der Mutter musste sich Katharina als Kind immer wieder anhören. Auch wachte die Mutter nachts oft schreiend auf.

Der Begriff Mitgefühlserschöpfung (compassion fatigue) wurde von Charles Figley (1995) geprägt. Er bezeichnet die Erschöpfung, die auftreten kann, wenn man es mit traumatisierten Menschen zu tun hat.

Mitgefühlserschöpfung ist gleichzusetzen mit einer sekundären posttraumatischen Belastungsstörung.

Wie kommt es zur Mitgefühlserschöpfung?

Mitgefühlserschöpfung kann man sich kaum entziehen, wenn man mit leidenden, oder traumatisierten Menschen zu tun hat. Jede*r Psycholog*in oder Mensch in einem helfenden Beruf kennt das Phänomen und ist eingeladen zu lernen, sich gesund abzugrenzen.

Denn wenn Du Dich als Therapeut*in, Coach oder Begleiterin in andere Menschen einfühlst, dann entsteht Mitgefühl als eine ganz natürliche Reaktion.

Spiegelneuronen in unserem Gehirn werden aktiviert, wenn wir einer anderen Person gegenübersitzen. Sie rufen – wie in einem Spiegel – die Gefühle und Empfindungen des Gegenübers in uns wach. Wenn es unserem Gegenüber nicht gut geht, dann kann das Mitgefühlserschöpfung hervorrufen.

Die Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen, nennt man Empathie. Empathie macht uns menschlich. Doch braucht es gerade in helfenden Berufen klare, innere Grenzen, damit es nicht zur Mitgefühlserschöpfung kommt.

Spiegelneuronen unterscheiden nicht zwischen positiven und negativen Gefühlen. Hast Du schon mal beobachtet, wie es sich anfühlt, wenn Du einen Nachmittag mit einer ständig nörgelnden Person verbringst? Wie fühlt es sich an, wenn Du mit einer positiven Person zusammen bist?

Mitgefühlserschöpfung bei der Kriegsenkelgeneration

Katharina musste schon als kleines Kind immer wieder die Kriegs-Geschichten der traumatisierten und depressiven Mutter anhören. Sie hat die Gefühle der Mutter – aufgrund der Spiegelneuronen – in sich aufgesogen, was zu ihren Symptomen geführt hat: Mitgefühlserschöpfung und Schwierigkeiten sich abzugrenzen.

In der 1:1 Begleitung „Leichter Lebensfluss“ haben wir dieses geerbtes Trauma bei Katharina gelöst, was enorm befreiende Auswirkungen auf ihr Leben heute. Heute kann sie sich viel besser von den Gefühlen ihrer Patient*innen abgrenzen – ohne dabei kalt und distanziert zu sein.

Wen betrifft Mitgefühlserschöpfung?

Wenn Du mit traumatisierten Menschen zu tun hast, dann wird eine Mitgefühlserschöpfung bei Dir wahrscheinlicher auftreten. Zu den am meisten betroffenen Berufsgruppen zählen Feuerwehrleute, Polizist*innen, Sozialarbeiter*innen, Krankenhauspersonal, Lehrer*innen, Therapeut*innen, Ärzt*innen. Alle Berufe, die im mit Menschen zu tun haben, die traumatischer Erfahrungen machen.

Es betrifft Angehörige von Trauma-Opfern, wie den Nachkommen von Holocaust-Überlebenden, sowie Kinder, Partner*innen und weitere Familienangehörige von PTBS-Erkrankten (Posttraumatische Belastungsstörungen), Kriegsveteranen, Eltern traumatisierter Kinder (vgl. z.B. Bramsen, Ploeg & Twisk 2002; Dirkzwanger u.a. 2005) und Kinder traumatisierter Eltern.

Wenn Deine Eltern Kinder während des Zweiten Weltkriegs gewesen sind, dann sind sie sehr wahrscheinlich traumatischen Erfahrungen ausgesetzt gewesen, die nicht aufgearbeitet worden sind. Mitgefühlserschöpfung in der Generation Kriegsenkel kommen deshalb in vielen Fällen vor.

Literatur und Quellenangaben zu „Mitgefühlserschöpfung“, sowie zum Thema „Kriegsenkel“ findest Du hier.

Ursachensuche: Beobachtungen im Krieg und auf der Kinder Onkologie

Mitgefühlserschöpfung zählt zu den sekundären Traumatisierungen. Die Forschungen dazu begannen aufgrund der Beobachtungen während des Krieges und der Nachkriegszeit.

Während des Vietnamkriegs stellte man in den Militärkrankenhäusern für Kriegsverletzte fest, dass die Menschen, die in den Kliniken arbeiteten, fast identische Symptome entwickelten, wie die Kriegs-Traumatisierten.

Ähnliches stellte man später auch auf den Kinder Onkologie-Stationen fest.

Auch wenn es bisher die meisten Forschungsarbeiten zum Thema Trauma-Geschädigte Menschen gibt, findet man mittlerweile auch sehr überzeugende Publikationen zu den Auswirkungen auf die ihnen nahestehenden Menschen: Die Forschungsarbeiten zeigen, dass der Kontakt mit traumatisierten Menschen extrem starken, traumatischen Stress hervorrufen kann (vgl. z. B. Figley, 1995, McCann & Pealmann, 1990, Pealmann & Sakvitne, 1995), der zu Mitgefühlserschöpfung führen kann.

Literatur und Quellenangaben zu „Mitgefühlserschöpfung“, sowie zum Thema „Kriegsenkel“ findest Du hier.

Lösungen: Selbsfürsorge und das Geerbte Trauma erlösen

Du kannst Dich am besten gegen Mitgefühlserschöpfung schützen, indem Du mit Hilfe von innerer Arbeit Deinen Themen an die Wurzeln gehst, Du also Deine geerbten Traumata auflöst, lernst gesunde Grenzen zu setzen, sowie Achtsamkeit und Selbstfürsorge praktizierst.

Erinnere Dich daran, dass Du nur dann geben kannst, wenn Deine Taschen voll sind. Auch im Flugzeug solltest Du Dir die Sauerstoffmaske immer als Erstes anziehen, bevor Du den Schwächeren dabei hilfts.

Für die Selbstfürsorge in Deinem Alltag gilt: Du hast das Recht, Dir auszusuchen, mit welchen Menschen Du Deine kostbare Lebenszeit verbringen willst und mit welchen nicht.

Literatur & Quellen

Literatur und Quellenangaben zu „Mitgefühlserschöpfung“, sowie zum Thema „Kriegsenkel“ findest Du hier.

P.S.: Dieser Artikel ist im Rahmen der Blog-Dekade 2022 entstanden, einer Challenge, an der viele Bloggerinnen aus der Content Society teilnehmen. Wir schreiben 10 Artikel in 10 Tagen.

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Hallo, ich bin Iris! Ich bin Interkulturelle Diplom-Psychologin, interaktive Workshop-Facilitatorin, Forscherinnen-Seele, Bloggerin & Speakerin aus Köln. Ich bin Expertin für Inclusive Leadership, Intercultural Teambuilding und liebe Schokolade.

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