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Dr. Iris Wangermann

Mein Motto des Jahres 2023: Good enough!

In diesem Blog-Artikel schreibe ich was mein Motto des Jahres 2023: „good enough“ für mich bedeutet, welche Auswirkungen es auf mich hat, wie ich es umsetzen werde und woran ich am Ende des Jahres festmache, dass ich es eingehalten habe. 

In diesem Blog-Artikel findest Du ...

Warum "good enough"?

Ich habe in den letzten 20 Jahren als Intercultural & Diversity Competence Training Facilitator, noch keinen Menschen getroffen, der nicht mit dem Gefühl „anders zu sein“ gerungen hat. 

Ich nehme außerdem wahr, welch zentralen Teil in unseren größeren, gesellschaftlichen Diskussionen die Wahrnehmung von „Andersartigkeit“ einnimmt: in welcher Welt wollen wir leben, wem vertrauen wir, wen wollen wir fördern und wen zurücklassen? Wer und was ist hier „gut genug“?

Auch wenn das selbstverständlich keine einfachen Fragen sind, auf die es keine einfachen Antworten gibt: „anders sein“ kann sehr unterschiedlich definiert werden. 

Was ich aber sagen kann als Frau, die sich oft auch „anders“ fühlt und nachdem ich Zehntausenden Geschichten von meinen Workshop-Teilnehmenden in den letzten 20 Jahren gelauscht habe: Es ist nicht leicht, sich durch eine Welt zu bewegen, die voller Hindernisse ist, die andere nicht sehen können. 

Wenn Du anders bist, dann hast Du das Gefühl, mit einer anderen Karte unterwegs zu sein, wie die Menschen um Dich herum. Du hast andere Navigationsprobleme. Deine Karte ist offensichtlich nicht gut genug. Manchmal hast Du auch das Gefühl, gar keine Karte zu haben. 

Deine Andersartigkeit schiebt Dich oftmals in unbequeme Situationen und innere Räume: Sie wird gesehen, bevor Du als Person wahrgenommen wirst. So wird Dir die Aufgabe zugeschoben, diese Situation irgendwie zu bewältigen – was enorm auslaugend ist. 

Das Ergebnis: Du lernst sehr vorsichtig zu sein. Es ist eine Art Überlebensmechanismus. Du findest heraus, wie Du am besten mit Deiner Energie umgehst, wie Du jeden Schritt gut abwägst. Denn Du bist ein soziales Wesen und Zugehörigkeit ein menschliches Grundbedürfnis. 

Dem zugrunde liegt ein Paradox: anders zu sein lässt Dich vorsichtig werden und fordert gleichzeitig Deinen Mut heraus: mehr zu machen, besser zu sein, Deine Zugehörigkeit zu beweisen. Unterschwellig stellst Du Dir die Frage: Bist Du jemals gut genug, um dazuzugehören?

Was "good enough" für mich bedeutet

Schon seit vielen Jahren beobachte ich bei mir und anderen Menschen, wie sie immer wieder massiv über ihre Grenzen gehen. Ich spreche hier nicht davon, die eigene Komfortzone zu verlassen, um Neues zu lernen, zu wachsen und das eigene Potenzial immer weiter zu erforschen und zu entfalten.

Ich spreche von dem inneren Bedürfnis vieler Menschen, endlich als „gut genug“ wahrgenommen zu werden. Letztendlich oftmals getrieben von dem Wunsch: endlich dazuzugehören. 

Doch mit dem Wunsch der Validierung von außen gibst Du auch Deine Macht nach außen ab. Das kann langfristig nicht funktionieren. 

Das Gefühl von „good enough“ kann eigentlich nur im Inneren entstehen: dieses Gefühl, wenn es nicht perfekt, aber rund ist. Dieses Gefühl, alles gegeben zu haben und es ist „good enough“.

„Good enough“ heißt für mich aus einer möglichst souveränen, inneren Stille heraus zu agieren. Zu wissen: in mir gibt es etwas, das von all dem Trubel und Gerenne „da draußen“ unberührt ist. 

Wie ich "good enough" umsetzen werde

„Good enough“ fühle ich mich immer dann, wenn ich in meiner Mitte bin. Wenn ich meine Selbstfürsorge genauso wichtig nehme, wie meine Projekte. Wenn ich ausreichend schlafe, meditiere, in Bewegung bin, mich gesund ernähre und ausreichend trinke. Wenn meine Beziehungen harmonisch sind und mich inspirieren. 

Ganz konkret bedeutet das zum Beispiel: dass ich auch dann meinen täglichen Waldspaziergnag mache, wenn ich „eigentlich keine Zeit dafür habe“. Weil ich weiß, dass eine ausgelüfteter Kopf und ein bewegter Körper viel schneller und besser und freudvoller umsetzen kann. 

In 2022 ist mir das nicht immer gelungen. 

Woran ich "good enough" am Ende des Jahres festmachen werde

Schon seit Jahren nehme ich mir vor, meine „Workshop-Saison“ in der ersten Dezemberwoche zu beenden. Genauso wie die Natur sich in unseren Breitengraden im Winter zurückzieht und das Alte stirbt, bevor das Neue geboren werden kann, gehe auch ich zwischen den Jahren in die Stille. 

Allen Business-Unkenrufen zum Trotz „(jetzt ist doch die allerbeste Zeit, um zu verkaufen!!!“ „Wer jetzt nicht rennt und noch was rausbringt, der verliert“), entlasse ich mich – in meiner menschlichen Natur – in die wohlverdiente Winterruhe. Genau wie die Natur im Winter gehe auch ich nach innen und lasse das Alte sterben, um Raum zu machen für das Neue. 

Diese Zeit ist mir heilig, denn hier empfange ich Botschaften und Visionen für das kommende Jahr. Wo soll die Reise hingehen? Was hat dieses, einzigartige, wilde und wunderbare Leben eigentlich mit mir vor? Wie kann ich mit meinen Gaben am besten dienen?

Im Jahr 2022 endete meine Workshop-Saison jedoch erst am 14. Dezember. Es kommt dann doch jedes Jahr noch ein oder zwei super-spannende Projekte rein, oder etwas musste nach hinten verschoben werden. 

Voller Begeisterung, aber auf Kosten meiner Gesundheit, denke ich, dass ich noch mehr machen muss, dass es noch nicht genug war. Wenn ich im Jahr 2023 „good enough“ durchsetze, dann merke ich das auch daran, dass Ende der ersten Dezemberwoche Schluss ist mit der Workshop-Saison. 

Ich werde „good enough“ auch daran erkennen, dass ich mich nach zwei wilden Jahren der Online-Businesswelt Exploration wieder mehr auf meine innere Stimme besonnen habe. Ich werde keine Wege gegangen sein, die sich falsch anfühlen, weil sie meinen Werten nicht entsprechen. 

„Good enough“ heißt auch, dass ich zwar alle einlade, aber niemanden von meinen Werten, meiner Vision (von Inclusion Possible!) oder meiner Haltung überzeugen muss. Das gilt ganz besonders für die Teilnehmenden meiner Workshops, aber auch für alle Klient*innen und Kund*innen, mit denen ich zusammen arbeite. 

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