Warum ich Brücken zwischen Menschen baue: Meine Geschichte, meine Überzeugungen und meine Vision für eine menschlichere Zusammenarbeit.

Aufgewachsen zwischen zwei Kulturen

Meine Geschichte beginnt mit zwei kulturellen Prägungen: einer deutschen und einer österreichischen. Mein Vater war mit seiner Familie aus der DDR geflohen, meine Mutter kam aus Österreich. Wir wuchsen in Deutschland auf, weit entfernt von unserer übrigen Familie.

Unterschiedliche Perspektiven und kulturelle Missverständnisse gehörten für mich früh zum Leben. Manchmal war das wunderschön, manchmal verwirrend. Und manchmal stand diese Frage im Raum: Wo gehöre ich eigentlich hin?

Mit 16 Jahren ging ich als Austauschschülerin in die USA. Das war noch die Zeit ohne Smartphone, ohne WhatsApp und ohne die Möglichkeit, sich bei jeder kleinen Krise schnell zu Hause rückzuversichern. Ich musste mich in einer fremden Kultur zurechtfinden, Beziehungen aufbauen und lernen, mit dem Gefühl umzugehen, manchmal überhaupt nicht zu verstehen, was um mich herum geschah.

Es war ein emotionales Auf und Ab: Kulturschock, Momente des Verlorenseins, neue Freundschaften und schließlich mein Highschool-Abschluss. Rückblickend war diese Zeit eine wichtige Schule fürs Leben. Ich habe erfahren, dass man nicht sofort alles verstehen muss, um seinen Weg zu finden. Und dass man manchmal ein bisschen verloren gehen muss, um sich selbst besser kennenzulernen.

Meine Jahre in Österreich – und Deutschland fühlte sich plötzlich anders an

Später studierte ich Psychologie in Graz und ging mit Erasmus nach Rom.

Obwohl Österreich Teil meiner eigenen kulturellen Prägung war, fühlte ich mich während meines Studiums dort besonders deutsch. Als ich nach längerer Zeit wieder nach Deutschland kam, fiel mir plötzlich auf, wie anders sich die Kommunikation anfühlte. Was ich früher für ganz normal gehalten hatte, wirkte auf einmal schroff. Ein kurzer Wortwechsel in einer Bäckerei konnte sich für mich plötzlich ganz anders anfühlen.

In Rom begegnete ich Studierenden aus vielen Ländern, die zum ersten Mal längere Zeit außerhalb ihrer vertrauten Umgebung lebten. Ich merkte, dass mir manches leichter fiel, weil ich solche Erfahrungen bereits gemacht hatte. Ich hatte gelernt, mich auf andere Umgangsformen einzustellen und nicht alles sofort als richtig oder falsch einzuordnen.

Mich faszinierte das. Warum verstehen wir uns manchmal so mühelos – und manchmal überhaupt nicht? Was geschieht, wenn unterschiedliche Erwartungen, Kommunikationsstile und Vorstellungen von Höflichkeit aufeinandertreffen?

Diese Fragen ließen mich nicht mehr los.

Ich wollte wissen, was hinter den Missverständnissen steckt

Schon in meiner Diplomarbeit beschäftigte ich mich mit der Frage, wie Menschen interkulturell lernen. Ich verglich verschiedene Trainingsmethoden und untersuchte, welche sich besonders gut eignen. Dabei interessierte mich vor allem das erfahrungsorientierte Lernen: Was passiert, wenn Menschen nicht nur Informationen hören, sondern selbst etwas erleben, ausprobieren und anschließend reflektieren?

Für meine praktische Erprobung lud ich Menschen ein, die Methoden auszuprobieren. Mein Professor Hannes Stubbe machte mit, ebenso meine jüngere Schwester. Es war ein früher Anfang meiner heutigen Arbeitsweise: Ich wollte nicht nur über interkulturelles Lernen sprechen, sondern herausfinden, wie es tatsächlich funktioniert.

Nach meinem Psychologiestudium stand ich vor der Frage, wie es beruflich weitergehen sollte. Ich wusste, dass ich mich mit kulturellen Unterschieden beschäftigen wollte. Aber wie macht man aus einer persönlichen Faszination eine wissenschaftliche Arbeit und einen Beruf?

Dann begegnete ich Hannes Stubbe, einem Professor für Ethnopsychologie, der selbst viele Jahre in anderen Kulturen gelebt hatte. Er ermutigte mich, meine eigenen Erfahrungen ernst zu nehmen und daraus etwas zu entwickeln.

Ich entschied mich für eine Promotion über indirekte Kommunikation und wahrgenommene Höflichkeit im kulturellen Vergleich zwischen Deutschland, Österreich und Italien.

Damals musste ich erst einmal erklären, warum ich mich überhaupt mit diesem Thema beschäftigen wollte. Auch aus der Psychologie kannte ich die Auffassung, dass Unterschiede eher auf individuelle Persönlichkeitsmerkmale zurückzuführen seien. Aber ich hatte selbst erlebt, wie sehr kulturelle Prägungen beeinflussen können, wie wir kommunizieren und das Verhalten anderer interpretieren.

Also ging ich dieser Frage nach – ohne Stipendium und ohne finanzierte Promotionsstelle an der Universität. Ich finanzierte mich selbst und machte mich aus meinem Studentenzimmer heraus selbstständig.

Ich hatte keinen perfekt ausgearbeiteten Karriereplan. Aber ich hatte eine Frage, die mich wirklich interessierte, und den Wunsch, etwas mit meinen Erfahrungen anzufangen. Ich wollte Menschen helfen, einander besser zu verstehen und Brücken zwischen unterschiedlichen Perspektiven zu bauen.

Mein erstes Training? Da war noch Luft nach oben.

Mein erster Auftrag führte mich an die TH Köln. Dort arbeitete ich im Soft-Skills-Bereich mit angehenden Ingenieurinnen und Ingenieuren beziehungsweise technischen Fachkräften. Aus diesem Auftrag entwickelte sich eine Zusammenarbeit, die mich ungefähr 15 Jahre begleitete.

Ich war hochmotiviert, hatte viele Ideen und wollte unbedingt etwas bewegen. Mein erstes Training war trotzdem – sagen wir es ehrlich – noch ausbaufähig.

Ich hatte die Begeisterung, aber noch wenig Verständnis dafür, wie komplex Gruppenprozesse sind, welche Dynamiken in einem Seminarraum entstehen und wie viel Erfahrung es braucht, eine Gruppe wirklich gut durch einen Lernprozess zu begleiten.

Das musste ich lernen. Durch Ausprobieren, Beobachten, Reflektieren und manchmal auch durch die Erkenntnis, dass eine gute Idee noch lange keine gute Übung ergibt.

Über die Jahre entwickelte ich mein Handwerk weiter, lehrte an Hochschulen und übernahm eine Interimsprofessur für Interkulturelle Wirtschaftskommunikation. Heute begleite ich internationale Forschungsgruppen, Graduiertenkollegs und Exzellenzcluster.

Der Weg vom Studentenzimmer in den akademischen Seminarraum war kein geradliniger Karriereplan. Er war ein fortlaufender Lernprozess.

Was ich daraus mitgenommen habe? Begeisterung ist ein wunderbarer Anfang. Gute Trainings brauchen aber auch fachliche Fundierung, Erfahrung, ein Gespür für Menschen und die Bereitschaft, das eigene Vorgehen immer wieder zu hinterfragen.

Mein Mentor Dirk Kropp – und was Aikido mich über Konflikte lehrte

Ein weiterer wichtiger Wendepunkt auf meinem Weg war Dirk Kropp von Aikido Üben, mein Aikido-Lehrer und Mentor.

Als Psychologin und jemand, der sich mit Friedensarbeit beschäftigt, interessierte mich schon lange, was zwischen Menschen passiert, wenn Spannungen entstehen. Wie gehen wir mit Aggression um? Was geschieht, wenn wir uns angegriffen fühlen? Und wie können wir uns schützen, ohne einen Konflikt weiter anzuheizen?

Durch Dirk und das Aikido fand ich einen Ort, an dem ich diesen Fragen nicht nur theoretisch nachgehen, sondern sie ganz praktisch erfahren konnte. Seit vielen Jahren übe ich, Dynamiken bewusster wahrzunehmen, Grenzen zu setzen und auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben.

Aikido hat mir gezeigt, dass Friedfertigkeit nichts mit Schwäche zu tun hat. Es geht nicht darum, allem nachzugeben oder Konflikten auszuweichen. Es geht darum, klar zu bleiben, sich selbst und andere zu schützen und nach Möglichkeiten zu suchen, eine Situation nicht unnötig eskalieren zu lassen.

Diese Erfahrungen prägen heute meine Arbeit zu gesunden Grenzen, Konflikten und Selbstführung. Denn internationale Zusammenarbeit braucht nicht nur Wissen über Kulturen. Sie benötigt auch die Fähigkeit, mit Spannungen umzugehen, Feedback zu geben, Missverständnisse anzusprechen und miteinander im Gespräch zu bleiben.

Gute Zusammenarbeit ist nicht nur eine Frage des Wissens. Sie ist etwas, das wir üben können.

Was ich von der Natur und indigenen Weisheitstraditionen gelernt habe

Meine Neugier auf andere Kulturen hat mich immer auch über die akademische Welt hinausgeführt. Mich interessierte nicht nur, wie Menschen miteinander kommunizieren, sondern auch, wie unterschiedliche Gesellschaften Gemeinschaft gestalten, Übergänge im Leben begleiten und ihre Verbindung zur Natur verstehen.

Schon früh beschäftigte ich mich intensiv mit Übergangsritualen und suchte selbst ungewöhnliche Erfahrungen – unter anderem bei mehrtägigen Vision Fastings im Death Valley und in den Schweizer Bergen. Diese Zeiten haben mir gezeigt, wie wertvoll es sein kann, aus dem gewohnten Alltag auszusteigen, innezuhalten und sich neu auszurichten.

Später vertiefte ich meine Verbindung zu indigenen Weisheitstraditionen und begann, von Puma Fredi Quispe Singona und einer andinen Weisheitslinie zu lernen, in die ich 2020 aufgenommen wurde. Diese Erfahrungen erweiterten meinen Blick auf Entwicklung und Verbundenheit: über uns selbst hinaus, hin zu Familie, Gemeinschaft, Natur und einem größeren Ganzen.

Eine Erkenntnis daraus begleitet mich bis heute: Wir können nicht ständig weiterrennen und erwarten, dass wir dabei immer klarer werden. Manchmal brauchen wir bewusst gestaltete Übergänge, Zeit zum Reflektieren und Räume, in denen wir wieder wahrnehmen, was uns wirklich wichtig ist.

Diese Perspektive fließt auch in meine Arbeit ein – in erfahrungsorientierte Workshops, Dialogformate und Transitioning Cafés. Ich möchte Lernräume schaffen, in denen Menschen nicht nur Informationen austauschen, sondern innehalten, einander zuhören und gemeinsam neue Perspektiven entwickeln können.

Für mich bedeutet das, unterschiedliche Wege des Lernens ernst zu nehmen und offen dafür zu bleiben, was wir voneinander lernen können.

Ich habe gelernt, dass man nicht alles allein machen muss

Die Selbstständigkeit war für mich nicht nur ein beruflicher Weg, sondern auch eine Schule der Persönlichkeitsentwicklung. Ich musste lernen, mich immer wieder neu auszurichten, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.

Ich habe auch gelernt, dass es keine Medaille dafür gibt, alles allein zu machen. Mehr zu arbeiten bedeutet nicht automatisch, dass alles besser wird. Und Begeisterung für die eigene Arbeit schützt nicht davor, die eigenen Grenzen zu übergehen.

Heute ist mir wichtig, nicht nur über Selbstermächtigung zu sprechen, sondern Menschen dabei zu unterstützen, ihren eigenen Handlungsspielraum zu entdecken.

Was kann ich selbst verändern? Wo brauche ich eine Grenze? Welche Möglichkeiten habe ich, auch wenn ich nicht alles kontrollieren kann?

Das bedeutet nicht, dass wir für alles verantwortlich sind, was uns widerfährt. Es bedeutet, unsere eigenen Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen. Genau darum geht es auch in meinen Workshops – ob bei gesunden Grenzen im Arbeitsalltag, in der internationalen Teamarbeit oder bei der Frage, wie wir uns in einer neuen Umgebung zurechtfinden.

Warum ich Menschen nicht beschämen möchte, damit sie lernen

Im Laufe meiner Arbeit ist mir immer deutlicher geworden, dass ich Menschen nicht durch Schuldgefühle, Scham oder moralischen Druck verändern möchte.

Wenn wir uns angegriffen fühlen, gehen wir häufig in die Verteidigung oder ziehen uns zurück. Dann wird es schwierig, wirklich neugierig zu bleiben und etwas Neues zu lernen.

Ich möchte deshalb Räume schaffen, in denen Menschen Fragen stellen, eigene Erfahrungen einbringen und auch einmal feststellen dürfen, dass sie etwas bisher anders gesehen haben.

Das heißt nicht, dass Ungerechtigkeiten keine Rolle spielen oder alles einfach eine Frage unterschiedlicher Perspektiven wäre. Es bedeutet, dass wir einen Weg brauchen, um darüber ins Gespräch zu kommen und Veränderungen möglich zu machen.

Ich möchte zum Dialog einladen, nicht Menschen zu einer bestimmten Haltung zwingen. Denn echte Veränderung braucht die Bereitschaft, sich darauf einzulassen.

Mich freut besonders, dass ich in meinen Workshops zunehmend Menschen aus unterschiedlichen Ländern, mit unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven zusammenbringe. Ich erlebe, wie aus anfänglicher Unsicherheit Neugier entstehen kann und wie bereichernd es ist, wenn Menschen einander wirklich zuhören.

Was ich heute in internationalen Forschungsteams erlebe

Heute begegne ich in meiner Arbeit immer wieder den Fragen, die mich schon als junge Frau beschäftigt haben:

Wie finden internationale Promovierende ihren Platz in einer neuen akademischen und kulturellen Umgebung? Warum werden Kommunikationsstile unterschiedlich verstanden? Was passiert, wenn Erwartungen unausgesprochen bleiben? Wie können Menschen mit unterschiedlichen Arbeitsweisen konstruktiv zusammenarbeiten? Und wie können Führungskräfte Teams begleiten, ohne dass Menschen dabei ihre eigenen Grenzen verlieren?

Dazu kommen Fragen nach Selbstführung, Überforderung und einer gesunden Zusammenarbeit in einem anspruchsvollen Arbeitsumfeld.

Ich gestalte meine Workshops deshalb wissenschaftlich fundiert, interaktiv und erfahrungsorientiert. Es geht nicht nur darum, Wissen zu vermitteln, sondern darum, neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken und im Alltag auszuprobieren.

Wenn Teilnehmende mir später erzählen, dass ein Workshop ihnen geholfen hat, eine schwierige Situation anders zu verstehen oder ihren Arbeitsalltag spürbar zu verbessern, dann weiß ich wieder, warum ich diese Arbeit mache.

Meine Vision: eine Wissenschaft, die menschlich bleibt

Wir leben in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen. Die Wissenschaft wird internationaler, künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeitswelt und jüngere Generationen fordern neue Formen von Führung und Zusammenarbeit.

Ich sehe darin eine große Chance. Je komplexer unsere Welt wird, desto wichtiger wird unsere Fähigkeit, miteinander zu kommunizieren, Unterschiede zu verstehen, Konflikte konstruktiv zu bearbeiten und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Technisches Wissen und fachliche Expertise bleiben unverzichtbar. Aber sie allein reichen nicht aus, wenn Menschen zusammenarbeiten sollen.

Wir brauchen Räume, in denen Menschen sich wirklich begegnen. In denen sie zuhören, Fragen stellen, ihre Perspektiven erweitern und lernen können, mit Unterschieden umzugehen.

Ich möchte dazu beitragen, dass internationale Zusammenarbeit nicht nur organisatorisch funktioniert, sondern auch menschlich gelingt. Dass Menschen ihre Stärken einbringen können, Missverständnisse ansprechen lernen und sich in ihrer Unterschiedlichkeit als Bereicherung erleben.

Die Moral meiner Geschichte?

Ich bin nicht mit dem Plan gestartet, interkulturelle Trainerin zu werden und irgendwann meine eigene Philosophie zu formulieren. Ich bin Fragen gefolgt, habe Erfahrungen gesammelt, Entscheidungen getroffen, Fehler gemacht und immer wieder dazugelernt.

Heute weiß ich: Wir müssen nicht gleich sein, um gut miteinander arbeiten zu können. Wir müssen auch nicht jede Meinungsverschiedenheit auflösen oder jeden Menschen überzeugen.

Aber wir können lernen, Unterschiede besser zu verstehen, unsere eigenen Grenzen wahrzunehmen und Verantwortung für unser gemeinsames Handeln zu übernehmen.

Ich stehe für Friedfertigkeit mit Klarheit, für Selbstermächtigung mit Verantwortung und für Lernen, das Menschen wirklich erreicht.

Und ich glaube, dass wir eine menschlichere Zukunft gestalten können – nicht allein, nicht perfekt und bestimmt nicht ohne gelegentliche Missverständnisse. Aber miteinander, Schritt für Schritt.

Ich baue Brücken zwischen Menschen, damit aus kultureller Vielfalt eine Stärke wird und Zusammenarbeit gelingt.

Wenn du Menschen dabei unterstützen möchtest, sich in einer vielfältigen Arbeitswelt besser zu verstehen, gesunde Grenzen zu setzen und gemeinsam neue Wege zu finden, dann lass uns ins Gespräch kommen.

Wer schreibt hier eigentlich?

Hallo, ich bin Iris! Ich bin Interkulturelle Diplom-Psychologin, interaktive Workshop-Facilitatorin, Forscherinnen-Seele, Bloggerin & Speakerin aus Köln. Ich bin Expertin für Inclusive Leadership, Intercultural Teambuilding und liebe Schokolade.

Schreibe einen Kommentar

Weitere Beiträge

Abonniere meinen Newsletter

Mit Deiner Anmeldung akzeptierst Du unsere Datenschutzbestimmungen. Du kannst Dich jederzeit wieder abmelden.

Weitere Beiträge

Translate »